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Thema: Job & Beruf

Job-Knigge: das Geschäftsessen

Arbeitsessen sind ein wichtiges Instrument im Geschäftsleben. Ob Sie Kontakte vertiefen, Geschäftsabschlüsse feiern oder zu neuen Projekten motivieren wollen: Beim Geschäftsessen geht es nie nur um die reine Nahrungsaufnahme.

Sich als Gastgeber vor dem Termin ein erprobtes Restaurant auszusuchen und einen Tisch zu reservieren, ist selbstverständlich. Trifft man sich mit den Geschäftspartnern vor dem Restaurant, öffnet man ihnen die Tür, geht aber im Lokal voran. Besser ist es, sich drinnen zu verabreden und vorher schon den Tisch in Augenschein genommen zu haben.

Geschäftsfrauen verhalten sich als Gastgeberin genau wie männliche Gastgeber. Damit gelten sie auch nicht mehr wie sonst im gesellschaftlichen Umfeld per se als ranghöher. Völlig überkommen sind Regeln wie solche, dass Frauen nicht bezahlen, Geschäftspartnern nicht die Tür öffnen sollen oder eine extra »Damenkarte« erhalten, auf denen keine Preise vermerkt sind.

Vorstellen: Wer gibt die Hand?

Beim Geschäftsessen treffen einander unbekannte Menschen aufeinander - also muss vorgestellt werden. Ob es dabei zum Handschlag kommt, entscheidet allein die ranghöhere Person. Im Geschäftlichen ist das immer diejenige, die in der Betriebshierarchie höher steht. Bei Gleichrangigkeit gibt das Alter den Ausschlag.

Stellt eine dritte Person Geschäftspartner vor, gibt erneut der berufliche Rang den Ausschlag: Der Ranghöhere erfährt zuerst, wen er vor sich hat. Häufig gelten aber Gäste und Kunden prinzipiell als ranghöher - und gegenüber Geschäftspartnern aus dem Ausland ist es ohnehin eine höfliche Geste, diese den Inländern vorzustellen.

Wer zu einer Gruppe dazu stößt, stellt sich am besten selbst vor, dabei nennt man Vor- und Nachnamen und zwecks besserer Einordnung am besten auch die Aufgaben, die man im Unternehmen erfüllt.

Platz nehmen: Welcher Stuhl für wen?

Eingeladene Geschäftspartner bekommen die besten Plätze - also die, bei denen der Gast in den Raum blicken kann. Dabei wählen die Gäste selbst, wohin sie sich setzen, und nehmen zuerst Platz. Achtung: Ein gastgebender Vorgesetzter wartet, bis seine Mitarbeiter Platz genommen haben. Sind Männer und Frauen in der Runde, setzen sich diese möglichst abwechselnd nebeneinander. Herren finden ihre Tischdame übrigens immer rechts. Wer es ganz traditionell hält, schiebt dieser den Stuhl beim Platz nehmen zurecht und erhebt sich, wenn “sie” während des Essens aufsteht.

Auswahl des Essens

Geht es an die Auswahl des Essen, bestellt jeder Gast für sich. Gastgeber oder Gastgeberin können aber Vorschläge machen auch, um das ungefähre Preisniveau zu signalisieren. Sie bestellen als letzte, sind aber sonst die ersten: Wenn es um den Probierschluck beim Wein und das Signal zum Essensbeginn und -ende geht.

Um Verzögerungen zu vermeiden, sollten alle Gäste gleich viele Gänge bestellen. Wer bei einem kurzen Arbeitsessen ein mehrgängiges Menü bestellt, kann sich nämlich schnell den Zorn seiner Gastgeber oder Gäste zuziehen.

Serviette, Gedeck und Co

Bei einem kleinen Arbeitsessen am Mittag in einem durchschnittlichen Restaurant erwartet Sie nicht zwangsläufig das große Gedeck, aber irgendwann wird das der Fall sein. Nur keine Bange: Im Grunde ist es ganz einfach. Beim Besteck arbeitet man sich von aussen nach innen vor, nimmt also für jeden Gang Messer und Gabel neu. Dessertlöffel liegen über dem Teller, der Brotteller steht immer links vom eigenen Gedeck. Einmal aufgenommen, sollte das Besteck nicht mehr das Tischtuch berühren. Wenn Sie es während des Essens ablegen wollen: immer auf den Teller damit.

Gibt es zu jedem Gang ein anderes Getränk, benutzt man die Gläser von rechts nach links. Das Wasserglas steht dabei ganz rechts außen. Langstielige Gläser sind immer am Stiel anzufassen. Apropos Gläser: Bevor Sie etwas trinken, tupfen Sie sich den Mund mit der Serviette ab, die Sie auf Ihren Knien plaziert haben.

Brot zu zerschneiden oder gar im Ganzen mit Butter zu bestreichen, gilt in gehobenen Restaurants als Unsitte. Also besser das Brot in einzelnen Stücke brechen und mit wenig Butter bedecken. Suppenteller nicht kippen, um den Rest auszulöffeln - bei Suppentassen ist es hingegen erlaubt.

Besondere Situationen

Auch bei Geschäftsessen passieren unvorhergesehene Dinge - und darauf müssen Sie angemessen reagieren, schließlich repräsentieren Sie nicht nur sich selbst. Unangenehm ist es, zu spät beim Essen einzutreffen: Entschuldigen Sie sich beim Gastgeber und Ihren Tischnachbarn. Falls möglich, rufen Sie vorher an und teilen Sie Ihre Verspätung mit. Für kritische und peinliche Momente immer die Grundregel beherzigen: Nie als unbeteiligter Dritter ins Geschehen eingreifen.

Hummer und anders “Bastelessen”

Als schwieriges Essen gelten gemeinhin Fisch, Geflügel und Meeresfrüchte. Wenn jeder sein Essen selbst bestellt, ist es natürlich leicht, diese Fallen zu umgehen. Was aber, wenn am Tisch alle das Gleiche bekommen und Sie mit dem Essen buchstäblich nicht umzugehen wissen? Dann ist es durchaus legitim, die Bedienung zu bitten, die Forelle zu filetieren oder die Hummerscheren zu knacken. Gerade Hummer wird aber meistens schon in der Küche so angerichtet, dass die Hummerzange überflüssig wird. Dann müssen Sie das Fleisch nur noch mit der Hummergabel aus Beinchen und Scheren ziehen - und aus dem halbierten Panzer mit dem normalen Besteck.

Meeresfrüchte

Schlürfen erlaubt, heißt es bei Austern. Mit einer speziellen Austerngabel wird das Fleisch vorsichtig von der Schale gelöst und nach Belieben mit Zitrone, Pfeffer oder Salz gewürzt. Dann die Austernschale an den Mund setzen - und schlürfen. Mitsamt dem Meerwasser. Muscheln isst man mit Muscheln: Hat man die erste mit einer Gabel gegessen, dient danach deren Schale als Zange für die weiteren Muscheln. Der beigestellte Zitronensaft ist übrigens zum Säubern der Finger und kein Dressing.

Geflügel, Spaghetti und Kartoffeln

Geflügel wie Hähnchen oder Wachteln isst man mit Messer und Gabel, dabei empfiehlt es sich, zuerst die Extremitäten und dann den Körper zu verzehren.

Spaghetti kommen mit dem Messer niemals in Berührung: Gerollt statt geschnitten ist die Devise. Könner schaffen es, Spaghettis an der Kante des Tellers nur mit der Gabel zu aufzurollen, alle anderen dürfen auch den Löffel zur Hand nehmen, bevor die Aktion peinlich wird.

Wer denkt, Kartoffeln seien eine leicht zu meisternde Speise, liegt falsch. Denn auch heute schneidet man sie nicht durch, sondern bricht mit der Gabel kleine Stückchen ab. Nicht gern gesehen ist weiterhin das Zermantschen der gesamten Kartoffel wie überhaupt jegliches Zusammenrühren von Speisen zu einem Brei. Also lieber lassen!

Alkohol

Wenn Ihre Geschäftspartner Alkohol bestellen und vielleicht auch das ein oder andere Glas mehr trinken, als Sie vertragen, müssen Sie sich nicht unter Druck gesetzt fühlen. Bleiben Sie bei Ihrem einen Glas Wein oder auch Wasser. Heute gilt es absolut nicht mehr als unhöflich, ganz auf alkoholische Getränke zu verzichten - auch wenn Sie die Gäste selbst dazu einladen möchten.

Rauchen

Während des Essens ist Rauchen ein absolutes Tabu es sei denn, alle am Tisch sind Raucher und wissen voneinander, dass sie zwischen den Gängen rauchen. Ansonsten ist die erste Zigarette erst nach dem Dessert angebracht. Die anderen Gäste müssen vorher unbedingt gefragt werden, ob der Rauch sie nicht stört.

Missgeschicke

Fallen Ihnen Serviette oder Besteck herunter, suchen Sie nicht danach auf dem Boden, sondern bitten den Ober um ein neues. Sie haben Ihr Rotweinglas umgestoßen und der Inhalt ergießt sich gerade über die Tischdecke? Eine Entschuldigung zu Ihrem Tischnachbarn und, wenn der Kellner nicht sofort reagiert, Ihre Serviette auf der Lache, genügen. Unangenehmer ist es, wenn der Wein auf die Hose des Geschäftspartners läuft: Bieten Sie Ihre Serviette als erste Schadensbegrenzung an, rubbeln Sie aber nicht selbst auf Fleck und Kleidung herum! Eine sofortige Entschuldigung versteht sich von selbst, angebracht ist das Angebot, für die Reinigung aufzukommen und eine schriftliche Entschuldigung am nächsten Tag.

Verletzende oder ungeschickte Äußerungen während eines Geschäftsessens sollten natürlich gar nicht erst vorkommen. Ist Íhnen doch ein Fauxpas unterlaufen, bereden Sie die Sache nicht groß am Tisch, sondern klären Sie sie hinterher im Vier-Augengespräch.

Umgang mit dem Service-Personal

Sie können noch so charmant und souverän mit Ihren Geschäftspartner umgehen: eine “blöde” Bemerkung, zum “lahmen Servicemitarbeiter, dem man beim Laufen die Schuhe besohlen könnte” und Sie haben verloren. Denn in solchen Situationen zeigen Sie ihr wahres Gesicht!

Und wenn Ihnen ein Kellner eine ganze Karaffe Rotwein über den teuren Anzug kippt: Ruhe bewahren und Größe zeigen. Sagen Sie was nettes zu ihm, denn ihm ist die Situation sicher wesentlich peinlicher als Ihnen (z.B. “Ist mir auch mal passiert als ich während des Studium gekellnert habe”). Dass ein gutes Restaurant in solchen Fällen die Reinigungskosten übernimmt ist selbstverständlich und muss nicht im Beisein Ihrer Gäste ausdiskutiert werden!

 

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(c) Olaf Varlemann (Bankkaufmann)

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