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Wie funktionieren Schiffsfonds?

Schiffsfonds oder Schiffsbeteiligungen sind Beteiligungsgesellschaften, bei denen sich Anleger als Kommanditisten an einem bestimmten Schiff beteiligen (geschlossene Fonds, meist in der Rechtsform einer GmbH & Co KG).  Geschlossene Schiffsfonds sind in Deutschland Mitte der siebziger Jahre aufgekommen und hatten zunächst das Hauptziel, dem Anleger durch sog. Anfangsverluste möglichst hohe Steuervorteile zu verschaffen. Inzwischen hatte sich das Anlageziel allerdings von der reinen Steuerersparnis hin zur einer eher renditeorientierten Anlage verschoben.

Seit Ende 2005 der § 15 b EStG eingeführt wurde, spielen mögliche Anfangsverluste bei Schiffsfonds keine Rolle mehr. Statt dessen steht bei den  meisten Anlegern die sog. “Tonnage- Steuer” im Focus. Unter Tonnage-Steuer versteht man, dass der Gewinn, den die Gesellschaft erwirtschaftet nicht nach den tatsächlichen Zahlen (Gewinn) versteuert werden muss, sondern pauschal nach dem Schiffs- bzw. Ladevolumen (= der möglichen Tonnage). Somit sind Schiffsbeteiligungen insbesondere für Anleger interessant, die ihre Einkünfte aus Kapitalvermögen o.ä. mit hohen Steuersätzen voll versteuern müssten und mit tatsächlich höheren Erträgen aus den Schiffsbeteiligungen rechnen.

Schiffsfonds sammeln in der Regel nicht den kompletten Preis für ein Schiff bei den Anlegern  ein, sondern nur rund 40% der Kosten. Die restlichen 60% werden in der Regel über spezialisierte Banken fremdfinanziert (beispielsweise HSH Nordbank). In der Vergangenheit haben Fonds bei der Fremdfinanzierung häufig auf Fremdwährungsdarlehen (beispielsweise in Yen) gesetzt. Dabei entstand ein doppeltes Währungsrisiko, da die Frachtraten üblicherweise in Dollar bezahlt werden. Die Kursentwicklung lief dabei in der Vergangenheit gegen die Anleger.

Der Anlagezeitraum beträgt je nach Fonds 10-25 Jahre. Im Gegensatz zu beispielsweise offenen Aktienfonds besteht bei geschlossenen Schiffsfonds kein Rückgaberecht. Ein vorzeitiger Verkauf der Beteiligung ist nur schwer möglich, da es keinen echten Zweitmarkt für Schiffsbeteiligungen gibt.

Zwar besteht für Anleger bei Verlusten in der Regel keine Nachschusspflicht, allerdings versuchen Fondsinitiatoren bei Anlegern Geld für Sanierungskonzepte einzusammeln, um im schlimmsten Fall eine Insolvenz des Fonds zu verhindern. Hierbei werden gerne auch zwischenzeitlich geleistete Ausschüttungen von den Anlegern zurückverlangt.

Wesentliche Erfolgsfaktoren für das Gelingen des Schiffsfond:

  • der Einkaufspreis des Schiffes und dessen Qualität
  • die Dauer und Konditionen der Charter
  • die laufenden Betriebskosten
  • die Auslastung
  • die Konditionen bei der Fremdfinanzierung
  • der Verkaufserlös bei Ablauf des Schiffsfonds

Was ist besonders zu beachten?

Bis ein Schiffsfonds echte Gewinne erwirtschaftet, kann es mehrere Jahre dauern. Trotzdem erhalten die Anleger in der Regel schon von Anfang an eine sog. “Ausschüttung”. Diese Ausschüttungen sind nichts anderes als die schrittweise Rückzahlung des Beteiligungskapitals an die Anleger. Das kann zum Problem werden, wenn die Schiffsfonds schlecht laufen und fortgesetzt Verluste erwirtschaften und ggf. sogar die Insolvenz des Fonds droht. In diesen Fällen fordern die Fondsgesellschaften die Anleger meist auf, die Ausschüttungen zurückzuzahlen.

Für wen sind Schiffsfonds geeignet?

Schiffsfonds eignen sich ausschließlich für sehr erfahrene Kapitalanleger mit langem Atem, die auch ein Totalverlust nicht aus der Bahn werfen kann. Auch wenn Banken und Finanzvertriebe aufgrund hoher Provisionen immer wieder damit locken: Otto-Normal-Anleger sollten von Schiffsbeteiligungen unbedingt die Finger lassen!

(Erstellt am  22.04.2002; zuletzt aktualisiert 20.03.2012)

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