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Sind negative Zinsen beim Tagesgeld möglich?

20.11.2014: Die Skatbank in Altenburg hat es vorgemacht: sie zahlt auf Tagesgeld keine Zinsen, sondern verlangt vom Anleger Zinsen dafür, dass dieser das Kapital dort parken “darf”. Betroffen sind allerdings nur Tagesgeldkonten mit einem Guthaben von mindestens 500.000 Euro und wenn der Anleger insgesamt mehr als 3 Mio Euro bei der Skatbank deponiert hat.

Jetzt zieht die Commerzbank nach und verlangt ebenfalls einen Strafzins für täglich fällige Anlagen. Das betrifft derzeit allerdings nur Großkunden. Privatanleger und Mittelständler wolle man (noch) verschonen.

Ein negativer Zins auf Tagesgeldkonten (oder ähnliche Einlagen bei Banken) sind allerdings auf Dauer auch für Privatanleger und Kleinanleger möglich. Die Begründung dafür klingt logisch: Banken müssen, wenn sie Geld bei der EZB anlegen einen Zins von 0,20 Prozent zahlen. Angelegt wird beispielsweise das Kapital, dass die Sparer in Form von Tagesgeld ihrerseits bei der Bank angelegt haben. Nach dieser Logik geben die Banken, die einen Strafzins verlangen, einfach nur den Strafzins der EZB weiter.

Die Logik hat nur einen kleinen Haken. Bei der EZB haben die deutschen Banken derzeit rund 111 Mrd Euro geparkt und zahlen darauf die entsprechenden Zinsen von 0,20%. Zählt man aber das Kapital zusammen, dass auf den Giro- und Tagesgeldkonten der Banken und Sparkassen vor sich hinschlummert, kommt man auf rund 4.700 Mrd. Euro. Legt man den an die EZB derzeit zu zahlenden Zinsen in Höhe von rund 233 Mio Euro auf diese 4.700 Mtd. Euro um, dürfte der Strafzins für Sichteinlagen maximal 0,005 Prozent betragen - und nicht 0,25 Prozent wie jetzt bei der Skatbank. Wobei man natürlich anmerken kann, dass Großanleger jetzt den theoretischen Anteil der Kleinanleger mitbezahlen müssen.

Dass sich ein negativer Zins für Tagesgeldanlagen großflächig durchsetzen wird, ist derzeit nicht erkennbar. Das dürfte schon der allgemeine Wettbewerb unter den Banken in Deutschland verhindern. Allerdings sind Tagesgeldkonten für die meisten Banken uninteressant, weil sie die Banken und Sparkassen letztlich mehr kosten als sie einbringen. Die Verzinsung bewegt sich schon jetzt am unteren Rand und diese dürfte im Schnitt auch noch weiter fallen.

Die Anlageform Tagesgeld wird bzw. ist eben eine kurzfristige Anlagemöglichkeit, bei der es darum geht, Kapital für einen kurzen Zeitraum nicht ganz zinslos zu parken. Wer wie bis vor wenigen Jahren auf Tagesgeld setzt, um Vermögen aufzubauen oder auch nur zu erhalten, muss spätestens jetzt umdenken. Wertzuwächse und halbwegs vernünftige Renditen sind mit einem Tagesgeldkonto nicht (mehr) zu erzielen. Wer sein Kapital erhalten oder vermehren will, muss daher über andere -etwas risikoreichere- Anlagemöglichkeiten nachdenken (beispielsweise Fondsanlagen).

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